Von Stoderern nicht vorschreiben lassen, was wir zu dulden haben

Landkreis Roth (dn) Wolfstag bei der Jungen Union. Anlässlich der aktuellen Entwicklung der Wolfspopulation im Freistaat Bayern organisierten Daniel Nagl und Michael Fiegl für den JU-Kreisverband ein Hintergrundgespräch mit Schäferfamilie Eberler in Hilpoltstein-Holzi, Pionieren beim Einsatz von Herdenschutzhunden und eine abendliche Podiumsdiskussion zum Thema „Rückkehr des Wolfes“ in Roth-Pruppach.

Einfach und günstig sei der Einsatz von Herdenschutzhunden nicht, so Robert Eberler. Dennoch hat sich die Familie, die sich seit Generationen der Schäferei verschrieben hat, für die Anschaffung von drei Mastin espagnol entschieden. Seit Juni sind die Hunde als Teil der 800-Schaf-Herde zwischen Tandl und Herrnsberg auf den Hochflächen des Jura unterwegs – „ohne Zwischenfälle“, wie Irmgard Eberler berichtete. Die Hunde sind anders als Hütehunde, die zum Lenken der Herde eingesetzt werden, für den Schäfer nicht „steuerbar“, sondern eine Art Personenschutz in und für die Herde. „Die Mastins bleiben die ganze Zeit in der Herde. Wenn Gefahr droht, tritt der Rüde auf die Gefahrenquelle zu und reagiert zuerst mit Verbellen“, erklärte René Gomringer, der Chef des Bayerischen Schafhalterverbandes.

Die Besuchergruppe um die CSU Ortsvorsitzende Ulla Dietzel und die Organisatoren des Besuchs Michael Fiegl und Daniel Nagl registrierte, dass die schafhohen Mastins sich gegenüber Menschen eher zurückziehen. Dietzel sieht sich darin in der von der CSU angestoßenen Entscheidung des Stadtrats bestätigt, die Mastins nach erfolgtem Wesenstest als Arbeitstiere von der Kampfhundesteuer zu befreien. „Nur wenn eine konkrete Gefahr, etwa durch Wölfe oder Bären, droht, verteidigen sie ihr Rudel“, so Eberler. Deshalb sei die Anschaffung adulter Hunde, die schon in Schafsherden gelebt haben, auch enorm wichtig, da sie ihr Arbeitswissen an die jüngeren weitergeben müssen. „Das braucht Zeit und ist von uns kaum beeinflussbar“, erläuterte Irmgard Eberle. Sie fügte an, dass es im Zusammenhang mit Herdenschutzhunden – die bei Eberlers zusammen mit den Schafen hinter Elektrozaun ihre Arbeit verrichten – wichtig sei, dass sich auch die Bevölkerung richtig verhält, z.B. in Zusammenhang mit läufigen Hündinnen und unerwünschten Hybridhunden.

Für den Großteil der rund hundert Gäste im Gasthaus Bromm in Pruppach ebenfalls unerwünscht ist der Wolf. „Wir können seine Rückkehr nicht aufhalten“, stellte der LBV-Wolfsexperte Andreas von Lindeiner jedoch fest. Dass Canis Lupus verharmlost wird, darin waren sich die Teilnehmer des vom JU-Kreisvorsitzenden Daniel Nagl moderierten Podium einig. Uwe Köberlein (ÖJV), Bernhard Schönmüller (BaySF), von Lindeiner (LBV), Landtagsabgeordneter Volker Bauer, Gerhard Tausch (BJV), Robert Lechner (Bay. Schafhalterverband) und Gerhard Freytag (Wildschadensberater) lieferten sich – zum Teil mit Gästen aus dem Plenum – fachlich versierte, bisweilen aber auch angeregte Diskussionen. Entzweit sah sich das Podium etwa in der Frage, wann ein „guter Erhaltungszustand“ des Wolfes in Deutschland und Bayern erreicht sei und ob es möglich und sinnvoll ist den Schutzstatus des Wolfes in den FFH-Richtlinien zu ändern. Die Forderung einer „Obergrenze“ für Wölfe erhoben die anwesenden Berufsschäfer. Moderator Nagl entgegnete zur Erheiterung der Gäste, „das mit der Obergrenze ist aktuell etwas schwer“.

Auf einsamen Posten stand von Lindeiner mit seiner Aussage, dass es in Ordnung sei, wenn die in den urbanen Räumen lebende Bevölkerungsmehrheit die Rückkehr des Wolfes begrüße. Der CSU-Abgeordnete Volker Bauer entgegnete, „die Münchner haben auch erst begriffen, dass der Biber für uns nicht per se ein Segen ist, als er im Englischen Garten die Bäume angenagt hat. Das möchte ich mit dem Wolf nicht erleben“. BJV-Mann Tausch setzte nach und artikulierte, gefolgt von viel Applaus, den Satz, der die Stimmung der Jäger und Nutztierhalter zwischen Berchtesgarden und Bad Brückenau am besten zusammenfassen dürfte: „Wir lehnen es ganz klar ab, dass die Stoderer, von denen nicht wenige gänzlich entfremdet von der Natur sind, den Menschen im ländlichen Raum, uns, die wir hier leben und wirtschaften, vorschreiben wollen, was wir bei Wolf, Biber und Co. zu dulden haben.“


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