Vom Oktoberfest in Tokio und Hopfen für den Kongo

Spalt/Georgensgmünd (dn) „Ländlicher Raum und Mittelstand. Da hab ich nicht gleich an Landwirtschaft gedacht“, gestand der JU-Kreisvorsitzende Daniel Nagl. Als Referent des Abgeordneten Volker Bauer, im Landtag mit Umwelt- und Verbraucherschutz befasst, habe er jedoch in den vergangenen Jahren einige Betriebe und Anliegen der heimischen Landwirtschaft kennengelernt. „Manche politischen Gruppierungen zeichnen ein bewusst negatives Bild von unseren bayerischen Bauern. Aber gerade im Gespräch mit jungen Landwirten wird deutlich, dass es sich um fachlich gut ausgebildete Mittelständler handelt, die anpacken, ihre Familienbetriebe weiterentwickeln und Kulturlandschaft wie Umwelt erhalten wollen“, so Nagl. Mit dieser Aufgabenvielfalt, den Herausforderungen und mancher innovativen Idee soll sich in den kommenden zwei Jahren daher auch die JU vermehrt befassen. Den Anfang machte der Besuch der letzten kommunalen Stadtbrauerei in Spalt und des Hopfenanbaubetriebes Auernhammer in Hauslach.

 „Wir wissen wer unsere Ansprechpartner bei Lebensmitteln und Umweltschutz sind.
Unsere bayerischen Landwirte.“

Udo Weingart, 1. Bürgermeister der Stadt und von Amtswegen auch Chef der Brauerei, empfing acht Kreisausschussmitglieder in der, als finanziell eigenständigen Eigenbetrieb geführten, Brauerei, um ihnen die Entstehung des „komplexesten Lebensmittels“ zu erläutern. Vom Einmaischen des Getreides, über’s Läutern, Einbrauen und Gären führte Weingart durch alle Brauschritte bis zum neusten Stolz der Brauerei; den 25 neuen Lagertanks. „Bei durchschnittlich über 6.000 Hektoliter Ausstoß pro Monat hätten wir sie theoretisch auch etwas kleiner dimensionieren können. Aber wir wollen uns die Möglichkeit offen halten zu wachsen“, erklärte Weingart. Außerdem gehören die Stadtbrauerei dem Prädikatsclub Slow Brewing an und lässt dem Bier Zeit für Geschmack. Der neue Lagerkeller ist also eine Investition in die Qualität. In der kleinen Braumanufaktur wolle man den Trendbereich „Craft-Biere“, in dem der Spalter Braumeister und die Brauer stark-hopfige, aromatische Biere entwickeln, aktiv werden. Spalter Biere sind aber eigentlich schon seit 1879 Craft, das heißt handwerklich-hopfig gebraute Bier. „Das Wichtigste ist aber auf Werte, Regionalität und die Menschen die Spalter Bier als ihr Heimatbier schätzen, zu setzen. Daraus ergibt sich die Spalter Unternehmenskultur“, so Weingart. Auf die Frage des stv. JU-Kreisvorsitzenden Christian Albrecht nach der Bedeutung von Digitalisierung und Sozialen Medien für den Betrieb erläuterte Weingart, dass die Marke „Spalt und Spalter Bier“ zwar durch das Kernabsatzgebiet im 70-Kilometer-Radius eine tiefe regionale Verwurzelung habe, aber weltweit vernetzt und geschätzt sei. „Wenn ihr einmal auf’s Oktoberfest nach Tokio kommen solltet; dort gibt es ein Spalter-Bierzelt. Die wissen halt was gut ist.“ Auch Absatzmärkte und Marketingstrends habe man im Blick. 28 Prozent der Menschen hätten bei steigender Tendenz bereits Lebensmittel im Internet gekauft. Die Bedeutung dieses Absatz- und Kommunikationsweges nehme zu. „Die Bedeutung von Bewegtbild und glaubwürdigen Geschichten in der Werbung nimmt zu.  Hier machen wir uns derzeit Gedanken. Denn welche Geschichte könnte glaubwürdiger sein, als die der kleinen Stadt mitten im Hopfenland“, blickte Weingart in die Zukunft.

Mit der Zukunft befassen sich auch Andreas Auernhammer und Tobias Merkenschlager intensiv. Die beiden jungen Landwirte haben in Hauslach die elterlichen Hopfenanbaubetriebe übernommen und wollen ihre Betriebsgröße verdoppeln beziehungsweise verdreifachen. „Das geht vor allem, weil unsere Alten uns vertrauen und unterstützen und weil wir jetzt Lieferverträge zu sehr guten Konditionen abschließen konnten, die uns eine zehnjährige Planungszeit garantieren“, erklärte Auernhammer den JU’lern. Dies und die Sicherheiten des Betriebes ermögliche Investitionen von mehreren hundert Tausend Euro. „Wenn wir jetzt nicht investieren sollen, wann denn dann?“ fügte Merkenschlager hinzu. Er verfolge zwar die Äußerungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump, habe jedoch keine Sorge vor protektionistischen Maßnahmen. „Als Hopfenbauern sind wir privilegiert. Wir haben hier in Spalt ein einmalig gutes Produkt, eine Premiumnische, das wir über die Hopfenvertriebsgesellschaft vermarkten. Um die Nachfrage decken zu können, müssen wir zum Teil sogar aus der Hallertau zukaufen. Sollte die USA ihren Markt verschließen bekämen wir den Spalter Hopfen spielend in Europa vermarktet. Wir können sogar noch wachsen, weil unser Hopfen auch im Kongo und im Wachstumsmarkt China begehrt ist.“ Dieses Wachstum wollen die jungen Landwirte durch eine Verbesserung der Produktionssicherheit gewährleisten. „Der Klimawandel mit weniger und ungleich verteilten Niederschlägen in Kombination mit unseren speicherarmen Sandböden setzt dem Hopfen zu. Schlechte Erntejahre wie 2015 können sich häufen“, erläuterte Auernhammer. Darum habe er sich mit Merkenschlager und anderen Hopfenbauern der HVG mit der Idee eines Bewässerungsverbandes ans Wasserwirtschaftsamt Nürnberg gewandt. Aus dem Brombachseespeicher, dessen Altmühlwasser zu einem Drittel der Landwirtschaft zusteht, soll in den nächsten Jahren ein weiträumiges System zur Tröpfchenbewässerung entstehen, mit dem Niederschlagsschwankungen ausgeglichen und die Kapilarfähigkeit des Bodens verbessert und Nitratauswaschungen reduziert werden können. „Es gibt eben die, die skandalisieren und meckern und die, die handeln“, fasste Nagl mit Blick auch auf die aktuelle Kampagne der SPD-Bundesumweltministerin zusammen. „Wir wissen wer unsere Ansprechpartner bei Lebensmitteln und Umweltschutz sind. Unsere bayerischen Landwirte.“


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