Europäischer Input zum richtigen Zeitpunkt


JU-Kreisvors. D. Nagls (l.) Forderung nach „Bildung zum Europäer in BayVerf“ unterstützen (v.l.) CSU-Kreisvors. V. Bauer, MdL, Bgm. W. Langhans, F. Balzert,  stv. CSU-LT-Fraktionsvors. K. Freller, MdL, FU-Bezirksvors. C. Griesbeck und SEN-Kreisvors. Prof. B. Schulze

Wendelstein (dn) „Im passenden Moment das Richtige tun“, beschrieb der Kreisvorsitzende der Jungen Union Daniel Nagl, warum er, zusammen mit der JU Wendelstein, den ehemaligen Kultusstaatssekretär Karl Freller zu Diskussion über Europa in der Bildungslandschaft eingeladen hatte. „Aktuell erleben wir, dass Europa durch den Druck den Putin, Trump und Erdogan aufbauen, bei der Bevölkerung immer positiver besetzt ist. Das war in den letzten Jahren nicht immer so und muss auch nicht so bleiben“, so Nagl in seinem Impuls. „Gleichzeitig wird in den nächsten Monaten intensiv darüber diskutierte werden, wie das von Karl Freller vorgeschlagene „G9 mit Überholspur“ aussehen soll.“ Für den Paneuropäer Nagl sei jetzt der passende Zeitpunkt, um darüber zu sprechen, ob das Bekenntnis des Freistaats Bayern zu einem vereinten Europa (Art. 3a BayVerf.) durch einen entsprechenden verfassungsrechtlich verankerten Bildungsauftrag (Art. 131 BayVerf.) ergänzt werden soll und wieviel Europa ins neue G9 hinein kommt.

Mit einer Veranstaltungsreihe will die JU dieses Thema überregional diskutieren. Auftakt war am 1. April mit dem langjährigen Europaabgeordneten Mittelfrankens Dr. Ingo Friedrich und Bildungspolitiker Manuel Westphal in Gunzenhausen. Eine würdige Fortsetzung fand die Reihe am 2. April in Wendelstein. JU-Kreis- und Ortsverband luden gemeinsam den stv. Vorsitzenden der CSU-Landtagsfraktion und aktuellen Gymnasialreformer Karl Freller ein. Dieser lobte nach Begrüßung durch JU-Ortsvorsitzenden Filip Balzert und Bürgermeister Werner Langhans: „Mit eurem Anliegen liegt ihr genau richtig!“ Das zusätzliche Schuljahr wolle er im Sinne der JU-Vorschläge verstanden wissen. „Es kann natürlich nicht der Sinn sein, dass wir jetzt lediglich Inhalte anderer Jahrgangsstufen in eine 11. Klasse schieben, um ausschließlich den Nachmittagsunterricht zu reduzieren“, mahnte Freller. Vielmehr müsse die neue 11. Klasse einen pädagogischen und inhaltlichen Mehrwert haben: Studien- und Berufsorientierung, politische und geschichtliche Bildung und Zeit für Persönlichkeitsentwicklung. Bei der Überholspur schwebt Freller vor, dass die Schüler selbst entscheiden können und sollen, ob sie in acht oder neun Jahren das Gymnasium durchlaufen. Auch solle die Möglichkeit bestehen, statt der neuen 11. Klasse ein Jahr im Ausland zu lernen, so Freller.

Diese Ziele durchzusetzen, werde nicht einfach, so Freller. Der erfahrene Schwabacher Abgeordnete dankte deshalb seinem jungen Kollegen Volker Bauer, MdL ausdrücklich für dessen Unterstützung. Freller stellte heraus, das Bauer die Kommunikation in der CSU-Fraktion „erheblich modernisiert“ hat. Er habe eine Plattform ins Leben gerufen, bei der in Echtzeit politische Ereignisse von rund 2/3 der CSU-Abgeordneten diskutiert werden. „Dass wir das Verständnis unseres Zusammenlebens ebenso stärken wie die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler, findet auch bei den Kollegen größeren Zuspruch als eine neue Klein-Klein-Diskussion der Fachbereiche“, gab Bauer sogleich erste Reaktionen aus allen Landesteilen auf die Diskussion wider.

Etwas emotionaler wurde es, als Freller, der im Ehrenamt auch Vorsitzender der Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist, zwei deutsch-französische Wörterbücher aus seiner Mappe holte; eines von 1914 und eines von 2014. Selbst Terrassen-Gäste, die das Fußballspiel nebenan in der Sonne verfolgen wollten, lauschten Freller nun gespannt. „Mit dem einen Wörterbuch wurden junge Menschen in den Krieg geschickt. Da standen Sätze drin, wie „Gib mir das Gewehr, oder ich erschieß dich!“ Im anderen finden wir Fragen wie „Gibt es hier WLAN?““ Freller unterstützte daher, ebenso wie die anwesenden Gäste, auch die Forderung aus dem JU-Kreisverband Roth nach einer Aufnahme des Bildungsziel „Europäer“ in die Bayerische Verfassung. Es gelte den Kindern ein positives Verhältnis zu ihrer bayerischen Heimat, dem deutschen Vaterland aber auch der Friedens- und Wertegemeinschaft Europas zu vermitteln, um einen Rückfall in kriegerische, nationale Auseinandersetzungen zu vermeiden, so Freller, der hier auch an die Eltern und Großeltern appellierte. „Die Zeit vor der Geburt ist für uns alle weit weg. Umso wichtiger ist, dass wir den Kindern – im Elternhaus und in der Schule – vermitteln, dass vieles, was sie für selbstverständlich halten, es nicht immer wahr und nicht automatisch ist.“

Offen zeigte sich das Podium außerdem für den Vorschlag des Unternehmers Rüdiger Krüger, die heimische Wirtschaft miteinzubinden. Er könne sich gut vorstellen, dass Unternehmer nicht nur Schulsponsoring betreiben, sondern auch 5minütige Videobeiträge zur anschließenden Diskussion mit den pädagogischen Fachkräften übermitteln könnten, was zum Beispiel der offene Binnenmarkt für ihr Unternehmen bedeutet, oder warum Arbeitnehmerfreizügigkeit dem bayerischen Mittelstand nützt.

 

 


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