Bildungspolitik ist Mehrsortensaft

Zum Leserbrief „Äpfel mit Birnen verglichen“ vom 17. Juni im ST des Herrn Edgar Helmich

Studium und Ausbildung sind nicht Äpfel und Birnen. Wenn dann sprechen wir von Elstar und Granny Smith, also zwei von vielen verschiedenen Möglichkeiten zu schmackhaftem Saft – bzw. einer erfolgreichen Bildungsbiographie zu gelangen. Der Leserbrief des Herrn Helmich jedoch bildet treffend die Sakralisierung von Abitur und Studium ab. Um am Glaube, es gäbe ohne Abitur kein erfolgreiches Leben, festhalten zu können, werden Studien so selektiv gelesen, dass es schon weh tut. So ist in der zitierten Studie von Bildungsabschluss und Einkommen die Rede. Als Abschlüsse sind dezidiert auch berufliche Ausbildungen genannt, die vgl. Erzieherinnen bzw. Techniker, auch fünf Jahre dauern können. Ebenso wird eingeräumt, dass ein Meister, bei niedrigerer Arbeitslosig-keitswahrscheinlichkeit, schon heute deutlich über manchem Akademiker verdienen kann. Diese Nachfrage-bedingte Entwicklung wird sich noch verschärfen. Plastisch wird das an einem Beispiel: Eine 50-Personen-Gesellschaft mit drei Geschichts- und zwei Literaturwissenschaftlern, aber ohne Bäcker, Metzger oder Krankenschwester wird auf Dauer Probleme bekommen – vor allem wenn ein Teil der Akademiker durch ein Mehr an Lebenssteuerabgaben nicht gedeckte gesellschaftliche Kosten verursachen, die auch Zimmerer, Maurer oder Landwirte tragen, die oft bereits in ihrer Ausbildung (ab 946 Euro) versteuern und ihre Meisterausbildung selbst bezahlen. Gerecht?

Herr Matulla und ich haben – in unter fünf Jahren – studiert. Wir wissen, warum sich viele in unserer Generation für ein Studium entscheiden. Das hat nichts mit längerer Lebensdauer oder Ifo-Studien zu tun, sondern mit der Freiheit, die ein Studium – meist andernorts – nach zwölf Jahren Schulbankdrücken im Vergleich zur Verbindlichkeit einer Ausbildung am Herkunftsort bietet und damit, dass viele Eltern immer noch, ungerechtfertigt, glauben, ein Studium biete die sichere Zukunftsperspektive für ihre Kinder. Wenn Volker Bauer, MdL dafür wirbt auch an Gymnasien in gleichem Maße die Möglichkeiten beruflicher Ausbildung und eines Studium zu beleuchten oder die Junge Union fordert, die steuerliche Belastung von Azubi-Gehältern an die Belastung von Werksstudenten anzupassen, dann wollen wir niemandem das – oft begründet durch NCs eingeschränkte – Recht auf freie Berufswahl absprechen, aber u.a. volkswirtschaftlich begründet und im Sinne des für den Erfolg Bayerns wichtigen Mittelstands, ein gesellschaftliches Umdenken unterstützen.

Daniel Nagl JU-Kreisvorsitzender


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