Erst Bayern, dann die Partei – JU-Kreisvors. Nagl zum Ergebnis der BTW2017


Nach positiven Haustürwahlkampf die Erkenntnis: nach Daten orientieren und Sympathisanten aktivieren reicht nicht.

Roth (dn) Rund jeder 8. Bürger hat die AfD gewählt. Gleichzeitig sagen 2/3 derjenigen, sie hätten dies nicht aus Überzeugung getan. Das macht mich ein Stück weit fassungslos, zeigt aber vor welch großer Herausforderung vor allem die CSU, als jetzt letzte Volkspartei, steht. Für unsere Abgeordnete Marlene Mortler sollte ihr gutes Ergebnis Ansporn sein, sich weiterhin mit ihrem bewundernswerten Elan für die Menschen in den Kreisen Roth und Nürnberger Land einzusetzen.

Als Kreisvorsitzender der Jungen Union finde ich es schade, dass sich in den Reihen der 46 CSU-Abgeordneten nur noch fünf unter 40 finden; davon mit der 30-jährigen deutschlandweite Stimmkönigin (!) Emmi Zeulner nur eine junge Abgeordnete aus Franken. Es ist eine ungute Entwicklung, dass sich zwar immer mehr junge Menschen als politisch interessiert und sogar „wertkonservativ“ bezeichnen, jüngere Vorbilder aus der CSU aber in Parlamenten und kommunalen Führungspositionen oft fehlen.

Ich möchte mir nicht anmaßen die Parteiführung zu kritisieren. Aber ich frage mich schon, wie es sein kann, dass eine Riege erfahrener Politiker und Berater in vier Jahren zweimal den gleichen Fehler macht. Die „dafür-dagegen“-Taktik hat für die CSU bei der Europawahl schon nicht funktioniert. Dieser Fehler wurde mit dem Versuch sich, ohne reale Chance, mit Gebrüll gegen Kanzlerin Merkel zu profilieren, um dann, für den Bürger nicht nachvollziehbar, wieder einzuschwenken, ähnlich erfolglos wiederholt. Ich glaube auch, alle Parteien und ihre Vertreter täten gut daran, weniger auf Umfrageergebnisse und „risikoarmes Vorgehen“ zu schielen, sondern inhaltliche Pflöcke, einzurammen, von denen man überzeugt ist und die nicht nur die Sorgen abfischen, sondern realistische Lösungen bieten. Weder die CSU, noch SPD, FDP oder Grüne können Menschen, die unseren öffentlich-rechtlichen Medien nicht glauben und in ihren Filterblasen und Ängsten gefangen sind, durch eine Demoskopie-Politik wieder für sich gewinnen, das hat die Wahl gezeigt. Die Menschen für die Lösungen der vermeintlichen „Altparteien“ zu begeistern, gelingt nur durch kontroverse Diskussion – untereinander und mit den Bürgern; auch dort wo’s weh tut. Dazu braucht es Präsenz vor Ort; nicht nur vor Wahlen, sondern permanent.

Der CSU-Bundestagswahlkampf wurde in München kollektiv getragen. Darum sollten wir als Partei „München“ auch die Möglichkeit gegeben die Wahl gründlich aufzuarbeiten und womöglich Konsequenzen zu ziehen. Der Wunsch nach einem klaren Fahrplan im Hinblick auf Parteivorsitz und Landtagsspitzenkandidat in der Partei ist berechtigt. Aber von Rücktrittsforderungen an den Parteivorsitzenden, vorgebracht durch den stv. Schriftführer eines Ortsverbands etc. am Tag nach der Wahl, oder verkürzter Zitation lokaler Politiker durch die Presse – mit Blick auf die Schlagzeile – halte ich nichts. In schwierigen Koalitionsverhandlungen gilt es jetzt die Position der CSU und damit bayerische Interessenten zu stärken, nicht zu schwächen (vgl. z.B. die viele Landwirte beschäftigende Sorge, wer Landwirtschaftsminister/in wird). Wir sollten den Menschen zwischen Aschaffenburg und Passau deutlich machen, dass für uns gilt: erst Bayern, dann die Partei.


No Replies to "Erst Bayern, dann die Partei - JU-Kreisvors. Nagl zum Ergebnis der BTW2017"