Lehrer als Moderatoren und neue Schulart?

Roth (dn) „Keine Revolution, aber ein Neudenken“, formulierte der Kreisvorsitzende der Jungen Union Daniel Nagl das Ziel der ersten „Jungen Rathaushofrunde“ zum Thema Bildung. Im CSU-Bürgerbüro, wo seit drei Jahren CSU-Kreisvorsitzender Volker Bauer, MdL Talkgäste auf den weiß-blauen Sofas empfängt, nahmen diese Woche die stv. Leiterin der Landwirtschaftschule Ingrid Bär und die beiden jungen Talkgäste Franzika Hörmann (19), Absolventin der Folkehogskole Starvanger und Yannick Krug (16), Gymnasiast und Nachwuchsprogrammierer, teil. Im Vordergrund des Gesprächs standen die Fragen, wann Bildung gelingt, welche Rolle Lehrkräfte und die Kompetenz zum selbstständigen Erwerb von Wissen spielen und ob eine „Schule zur Persönlichkeitsentwicklung“ nach skandinavischem Vorbild auch in Bayern eine Chance hätte.

Problematisch sei, so Youngster Krug, wie den Schülern aktuell Bildungsinhalte vermittelt werden. Zwar griffen einige wenige Lehrer auf Bildungsinhalte der Mebis-Plattform zurück, „aber meist wird, wenn überhaupt, ein Youtube-Video in den Unterricht eingebaut.“ Neunzig Prozent des Redeanteils in manchem Deutschunterricht liege immer noch beim Lehrer, so Krug, „dabei bräuchten wir Moderatoren im Klassenzimmer, die Lust auf Bildung machen.“ Franziska Hörmann, Studentin an der FAU Erlangen, stimmte Krug zu. Gerade der Übergang Schule-Hochschule schocke viele, setze aber eine völlig neue Motivation frei, sich mit Inhalten zu befassen, „weil man dazu genötigt ist, sich selbstständig mit dem auseinander zu setzen, was einen interessiert“. Hörmann, ebenso wie der Rother JU-Ortsvorsitzende Daniel Banse, plädierten deshalb dafür, bereits in der Schule noch mehr Freiräume für wesentliche „soft skills“ zu schaffen.

Eine Schule an der es möglich ist, sich ohne Notendruck ein Jahr in Internatsgemeinschaft mit anderen Gleichaltrigen mit Themen zu befassen, die einen interessieren, z.B. um sich eines Studienwunsches zu vergewissern, an der eigenen Persönlichkeit zu feilen und sich mit für’s Leben wichtige Dinge wie Steuererklärungen oder Haushaltsführung zu befassen, ist die sog. Folkehogskole. In skandinavischen Ländern wird diese, zumeist privat getragene, Schulform von Einheimischen und Interessenten aus der ganzen Welt bei rund 8.000 Euro/Jahr Internatsgebühr stark nachgefragt, berichtete Hörmann. Auf 150 Plätze in Starvanger gäbe es 450 Bewerbungen. Sie selbst habe sich ein Jahr dem Erlernen handwerklich-künstlerischer Techniken gewidmet – um nach vielen großartigen Projekten festzustellen, dass sie lieber BWL und Skandinavistik studiert. „Gebracht hat mir dieses Jahr aber noch etwas“, so die junge Unterasbacherin. „Ich habe gelernt, mich selbst zu organisieren –selbst zu putzen, waschen, kochen.“

Ingrid Bär, Leiterin der Hauswirtschaftsausbildung mit Studentinnen zwischen zwanzig und Ende fünfzig, unterstrich die zunehmende Bedeutung dieser Kenntnisse, denn „heute kommt weniger vom Elternhaus.“ An der Landwirtschaftsschule lassen sich Frauen zum Teil als Voraussetzung für die Ausbildereignung, zum Teil als Wiedereinstieg ins Berufsleben nach längeren Erziehungszeiten in Teilzeit, stolze 660 Stunden, zur Hauswirtschafterin ausbilden. Eine „hauswirtschaftliche Linie“ in Vollzeit, wie von Nagl unter Verweis auf die Folkehogskolen angesprochen, gibt es in Franken jedoch nicht.

Für die Junge Union wäre eine Schule nach Vorbild der Folkehogskolen auch in Franken denkbar. Mögliche Linien könnten etwa wie Digitales Gründertum, aber auch Lifemanagement sein. „Damit würde jungen Menschen die Möglichkeit eröffnet ihre Talente in der Heimat – oder als ausländische Gäste in Franken – zu entwickeln und sich darüber klar zu werden, wo sie im Leben hinwollen“, so JU-Kreischef Nagl. „Gleichzeitig könnte unter Einbezug etwa der Landwirtschaftsschulen, der Schulen des Bezirks, der z.T. kirchlichen Hochschulen und interessierter Unternehmen der ländliche Raum durch Vernetzung gestärkt und mit jungen Impulsen belebt werden.“


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